Kompetenzorientiert Beurteilen im Gestalten
Dieses Dossier beleuchtet die Beurteilung in beiden Fachbereiche Bildnerisches Gestalten und Textiles und Technisches Gestalten. Ausgehend von den Vorgaben aus dem Lehrplan 21 werden die spezifischen Grund- sowie Ausgangslagen erläutert. Auf dieser Basis werden anschliessend fachbereichsspezifische Fragen zum Beurteilen gestellt. Ergänzt werden die Ausführungen durch Beispiele und Links zu Beurteilungsinstrumenten und Angaben zu weiterführenden Quellen.
Inhaltlich betreuen dieses Dossier Ursula Bissig-Studer, Eveline Blum, Doris Graber Vögelin und Rahel Boos Yameogo (Fachnetzwerk zebis).
Gerne nehmen wir auch Ideen von Lehrpersonen auf.
Informationen zu den Grundlagen
Informationen zu den Grundlagen der kompetenz- und kriterienorientierten Beurteilung im Gestalten sind über die folgenden Links zu finden:
Beurteilung der Lernende, Umsetzungshilfe für Lehrpersonen und Schulleitungen
Kanton Luzern
Handreichung zu fachspezifischen Merkmalen der Unterrichtsplanung Bildnerisches Gestalten (Bild & Kunst) und Textiles und Technisches Gestalten (Design & Technik)
Fachhochschule Nordwestschweiz
Fächernet LP21 – Gestalten
Kanton Bern
Fachberatungen an der PH Luzern:
Die Orientierungsaufgaben der BKZ bieten umfassende Dokumente zur Beurteilung:
Beurteilungskriterien im Gestalten
Die Beurteilungskriterien leiten sich aus dem LP 21 in den drei Kompetenzbereichen ab:

Beurteilungskriterien abgeleitet vom LP21
Beurteilungskriterien sind einerseits für die formative Beurteilung in der Begleitung der Lernprozesse sowie auch in der abschliessenden summativen Beurteilung leitend. Eine sinnvolle Beurteilung und Begleitung im Gestalten beinhaltet kompetenzorientierte Kriterien mit Indikatoren, die prozess- und produktorientiert sind und sich auf Fragestellungen, Lernziele und Inhalte (Themen) beziehen. Die Beurteilungskriterien und Indikatoren werden den Lernenden im Unterricht transparent aufgezeigt und nach Möglichkeit auch gemeinsam mit den Lernenden ausgehandelt und bestimmt.
"Formative Rückmeldungen werden gezielt eingeplant und eingesetzt. Ein spontanes und oberflächliches Kommentieren der Arbeiten während des Gestaltungsprozesses (schön, gut, interessant, spannend ...) ist zu vermeiden. Da beim formativen Rückmelden aktiv auf den Prozess Einfluss genommen wird, mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler (SuS) in ihrem Handeln zu unterstützen und zu ermutigen, gilt es, kriterienorientiert Qualitäten in den Arbeiten zu erkennen und zu benennen und Unklares in Form von Fragen zu ergründen"
(Junger, 2017).
Die summative Beurteilung benennt kompetenzorientierte Kriterien, welche prozess- und produktorientiert sind und somit nicht nur auf formale und quantitative Aspekte abzielen, sondern auch auf inhaltliche und prozessorientierte.

Aus: Kunst und Bild (LP21: Bildnerisches Gestalten).
Kompetenzorientiert Beurteilen im Bildnerischen Gestalten – Kunst und Bild
Einleitung Bildnerisches Gestalten
«Eine grosse Herausforderung für den Kunstunterricht ist das Beurteilen, Bewerten und Benoten. Denn wie in kaum einem anderen Schulfach sind Massstäbe und Kriterien für Leistungsbewertungen variabel und stehen häufig zur Diskussion. Bei der Vorstellung einer bestimmten Bewertungsmethode muss immer auch der Kontext berücksichtigt werden. Bewertungen sollen positiven Einfluss haben, sie sollen zum Lernen und zur eigenen bildnerischen Auseinandersetzung motivieren»
(Peez, 2008)
Im Folgenden werden:
Ausschnitte aus dem Lehrplan 21 zum Beurteilen der Kompetenzen, zu den spezifischen Schwerpunkten im Zyklus 1 und zu den didaktischen Hinweisen zum Beurteilen im BG gezeigt.
BG-spezifische Grundlagen bezüglich der Beurteilung aufgezeigt.
unterstützende BG-spezifische Fragen zur Planung dokumentiert. Das Dossier soll für die Komplexität der Fragestellungen rund um die Beurteilung im Fachbereich sensibilisieren. Das Bewusstsein über die verschiedenen Herausforderungen soll die LP darin unterstützen gezielte Entscheidungen für die Beurteilung und Begleitung zu fällen. Letztlich soll die Beurteilung (formativ und summativ) den Lernenden und der Lehrperson Hinweise für die nächsten Lernschritte und die angezeigten Fördermassnahmen geben.
Beispiele von Beurteilungsinstrumenten aufgeführt. Ergänzt wird das Dossier mit fachspezifischer Literatur, Links und Dateien.
1. Was sagt der Lehrplan 21?
Beurteilungsspezifische Abschnitte werden nachfolgend zitiert:
Grundlagen: Struktur der Fachbereichs- und der Modullehrpläne
Nicht alle im Lehrplan 21 aufgeführten Kompetenzen und Kompetenzstufen müssen summativ beurteilt werden. Wie bisher obliegt es der Professionalität der Lehrpersonen einzuschätzen, wann und mit welchen Mitteln sie Leistungen der Schülerinnen und Schüler einschätzen und beurteilen. Sie beachten dabei die im Kanton geltenden Regelungen. (Siehe auch Grundlagen, Kapitel Lern- und Unterrichtsverständnis.)
Grundlagen: Schwerpunkte Zyklus 1
Zu Beginn des 1. Zyklus wird der Unterricht überwiegend fächerübergreifend organisiert und gestaltet. Der Lehrplan 21 bietet deshalb neun entwicklungsorientierte Zugänge an, die als Lesehilfe dienen und den Lehrpersonen den Zugang zu den Fachbereichslehrplänen erleichtern. Diese entwicklungsorientierten Zugänge bauen eine Brücke von der Entwicklungsperspektive zur Fachbereichsstruktur des Lehrplans und erleichtern den Lehrerinnen und Lehrern die Planung des fächerübergreifenden Unterrichts.
Gestalten: didaktische Hinweise Bildnerisches Gestalten
Rolle der Lehrpersonen
In der Begleitung bildnerischer Prozesse fordert und fördert die Lehrperson die individuelle Ausdrucksart der Schülerinnen und Schüler und nimmt dabei unterschiedliche Rollen ein. Diese umfassen:
die Vermittlung von Sach- und Fachwissen, Fertigkeiten, künstlerischen Denk- und Handlungsweisen;
die Anleitung und den Austausch;
die Beratung und die Ermutigung;
das Ermöglichen von ästhetischen Erfahrungen;
die Anregung zu Reflexion, Bildbetrachtung und Kommunikation;
die kritische Würdigung, Beurteilung und Bewertung.
Die Lehrperson initiiert experimentierende und entdeckende Lernwege sowie nachvollziehende und analysierende Lernsituationen. Sie unterstützt einen konstruktiven Umgang mit Schwierigkeiten und Blockaden, indem sie mit einer förderorientierten Grundhaltung den Blick auf Entwicklungsmöglichkeiten lenkt. Sie bewertet Prozesse und Produkte kriterienorientiert.
Reflexion und Dokumentation
Prozesserfahrungen werden anhand von Studien, Entwürfen, Skizzenbüchern oder Lernjournalen reflektiert, dokumentiert und kommuniziert. In der Auseinandersetzung mit Prozessen und Produkten entwickeln die Schülerinnen und Schüler Verständnis und Wertschätzung für unterschiedliche Arbeitsweisen und Bildsprachen.
Weiterführende Links
2. BG-spezifische Grundlagen zur kompetenzorientierten Beurteilung
Die kompetenzorientierte Beurteilung im Bildnerischen Gestalten orientiert sich an den Kompetenzen des Lehrplans 21 und berücksichtigt sowohl den gestalterischen Prozess als auch das entstandene Produkt. Klare, transparente Beurteilungskriterien schaffen dabei die Grundlage für eine faire und nachvollziehbare Bewertung.
Für jede bildnerische Aufgabenreihe/Unterrichtseinheit muss ein eigenes, auf diese zugeschnittenes Beurteilungsmodell vereinbart werden.
Jede Beurteilung/Wahrnehmung ist teilweise subjektiv, so auch die «Strenge» der Beurteilung. Durch genaue Formulierung der Beurteilungskriterien, kann einer aussagekräftigen Beurteilung zu mehr Objektivität verhelfen. Indikatoren helfen bei der Formulierung der Beurteilungskriterien.
Als Beispiel hier ein Auszug aus dem Lehrmittel "Kunst und Bild" des hep-Verlags. Der Auszug kann hier heruntergeladen werden.

Indikator
Mit Farbgebung und Kontrastsetzung die Nacht zum Leuchten bringen.
Beurteilungskriterium
Ich kann mit der Farbgebung und Kontrastsetzung die Nacht malerisch zum Leuchten bringen.
Die SuS haben Anrecht, die Beurteilungskriterien eines Unterrichtsvorhabens zu kennen. Diese sollten den Lernenden im Vorfeld transparent aufgezeigt und mit ihnen besprochen, oder auch gemeinsam erarbeitet werden.
Neben der summativen Beurteilung werden im BG-Unterricht auch formative Beurteilungen vorgenommen. Die Bewertung mittels Lernkontrollen hat im Bildnerischen Gestalten kaum Gewicht. Es gilt Mehrfachbewertungen zu vermeiden.
Die Beurteilungskriterien leiten sich aus den drei Kompetenzbereichen, Kompetenzstufen und Kompetenzbeschreibungen im LP 21 ab und beginnen oftmals mit «ich kann…». Eine Hilfe zur Formulierung bilden die fachlichen und überfachlichen Kompetenzbeschreibungen (siehe auch hier) Aus den Beurteilungskriterien leiten sich die Lernziele ab. Kriterien sind übergreifend über die ganze Unterrichtseinheit formuliert. Die Lernziele leiten die aktuellen Unterrichtslektionen im Aufbau der Kompetenzen (begleitend, formativ). Nicht alle Lernziele werden summativ beurteilt.
Für eine Beurteilung des Prozesses müssen die Gedanken der SuS deutlicher als üblich dokumentiert und dargestellt werden. Dies kann z.B. in Form von Skizzenbuch, Lernjournal, Mappe/Portfolio, Reflexion, usw. erfolgen.
«Wer in seinem eigenen Arbeitsprozess qualitative Unterschiede erkannt und bewusst verarbeitet hat, der ist auch in der Lage auf der Grundlage dieser Erfahrung in einem anderen Werk Qualitäten zu erkennen und zu beurteilen» (Adelheid Sievert 2000). Ein ästhetisches Urteil zu fällen, braucht Übung und somit eine Auseinandersetzung mit dem Bild (siehe auch hier). Kinder und Jugendliche entwickeln ein ästhetisches Urteilsvermögen. Diese Kompetenz kann durch gezielte Fragestellungen, Beobachtungen und Diskussionen im Unterricht geschult werden. Die SuS können Eigenschaften und Qualitätsmerkmale von Bildern analysieren, einordnen und beurteilen (z.B. Bildwirkung, inhaltliche und formale Umsetzung).
Die BG-Beurteilung ist nicht promotionsrelevant. In unserer von Bildern geprägten Welt ist u.a. die Bildkompetenz eine grundlegende Kompetenz in künstlerischen, technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Vorstellungen, Ideen und Absichten werden in Bildern zum Ausdruck gebracht. Viele weitere Kompetenzen, welche in diesem Fach erworben werden, sind für das Handeln in Schule, Gesellschaft und Beruf wichtige Voraussetzungen und helfen beim Durchführen, Planen und Reflektieren von eigenständig entwickelten Ideen.
3. Unterstützende BG-spezifische Fragen zur Planung von Unterrichtsvorhaben
Eine sorgfältige Planung schafft die Grundlage für erfolgreichen BG-Unterricht. Dabei stehen die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, die Kompetenzentwicklung sowie die Gestaltung von Lern-, Gestaltungs- und Beurteilungsprozessen im Fokus.
Wie lautet das Thema und welche Verfahren werden angewandt?
Welchen Lernstand und welche Voraussetzungen bringen meine Lernenden mit?
Holt das Thema die Kinder in ihrer Lebenswelt ab oder was muss geschehen, damit das Thema in der Lebenswelt der Kinder ansetzt? Wie kann ich das Thema lustvoll initiieren?
Kann ich die Kriterien und Lernziele, zu Beginn eines Unterrichtsvorhabens oder der Lektionen, den SuS transparent aufzeigen, oder werden diese im Verlaufe des gestalterischen Prozesses gesetzt, weiterentwickelt und/oder angepasst? Werden die Kriterien mit den SuS besprochen oder gemeinsam entwickelt?
Sind die Kriterien und ist die Beurteilungssituation auf Prozesse und Produkte ausgerichtet? Ist die summative Beurteilung in verschiedene Niveaustufen aufgeteilt und ist sie sprachlich den SuS angepasst? Gelingt mir die Trennung von Förderung und summativer Beurteilung?
Welche Formen von formativen Beurteilungen im Bildnerischen Gestalten kenne ich? (Siehe auch hier)
Rückmeldungen werden oft spontan und rasch formuliert und sind manchmal nicht reflektiert. Sie werden aber von den Kindern wahrgenommen. Bin ich mir dessen bewusst?
Auf welche Kompetenzen (pro Kompetenzbereich mindestes eine Kompetenz) soll der Fokus gerichtet werden? Wo liegen die Schwerpunkte? Was soll gelernt werden?
Wie kann ich den Bildnerischen Prozess der SuS beobachten und beurteilen? Wie können die Erkenntnisse und Ergebnisse förderorientiert für den Beurteilungsprozess genutzt werden und wie wird der Bildnerischen Prozess besprochen, dokumentiert oder festgehalten? Welche Dokumentationsformen kenne ich? Plakate, Moodboards, Fotografien, Skizzen- und Forscherhefte, Mappen, Auslegeordnungen, Ausstellungen, Notizen, Sammlungen, usw.
Welche kunstorientierte Methoden helfen bei einer Auseinandersetzung mit dem Thema? Inwieweit eröffnen die kunstorientierten Methoden neue Perspektiven und Wege?
Mit welchen ästhetischen Erfahrungen und experimentellen Auseinandersetzungen kann ich die SuS im Prozess vielsinnlich ansprechen?
Wie begleite ich die SuS in ihrem gestalterischen Prozess, sodass ich ihnen genug Freiraum für das kreative Handeln und Entwickeln eigener Bildideen ermögliche?
Welche bildnerischen Grundelemente (Punkte, Linien, Formen; Farbe; Raum; Oberflächenstruktur; Bewegung), welche Verfahren und Materialien ermöglichen eine offene, neugierige und experimentierfreudige Auseinandersetzung und fördern die Kreativität und Bildsprache der Lernenden?
Wie kann der Lernprozess durch eine Selbst- und/oder Fremdbeurteilung optimal unterstützt werden?
Welche Fehlerkultur will ich etablieren? Ist Scheitern erlaubt und welche Schlüsse ziehe ich daraus? Wie vermittle ich das den SuS?
4. Beispiele von Beurteilungsinstrumenten
Beispiele aus Lehrmitteln, Zeitschriften oder Dokumenten

Aus: BDK-Mitteilung 2/2011 (Kapitel "Fach «Bildnerisches Gestalten» / «Bild & Kunst» in der Schweiz"). Glaser-Henzer, E., 2011.

Aus: BDK-Mitteilung 2/2011 (Kapitel "Kompetenzniveaus Bildnerisches Gestalten - überfachliche Kompetenzen" Auswahl an Kriterien.). Glaser-Henzer, E., 2011.
Adaption und Bearbeitung: Niederberger, C., PHLU, 2015.

Aus: Umsetzungshilfen zum Lehrplan 21 der Lehrplan- und Lehrmittelkommission des Kantons Bern ("Ideensammlung formative Beurteilung im BG spezifisch"). Aebersold, U., 2017.

Aus: Umsetzungshilfen zum Lehrplan 21 der Lehrplan- und Lehrmittelkommission des Kantons Bern ("Für die Begleitung und Beurteilung fokussierte Kompetenzen – inhaltlich präzisiert und ausformuliert"). Aebersold, U., 2018.

Aus: Himmelhoch & Türkisblau, Gestalten mit 4- bis 9-jährigen Kindern (Kapitel "Wachsen und blühen", S. 10-13). Gaus-Hegner, E., Homberger, U. & Morawietz, A. (Hg.). 2014, Schulverlag plus.

Aus: Himmelhoch & Türkisblau, Gestalten mit 4- bis 9-jährigen Kindern (Kapitel "Kompetenzaufbau", S. 149 - 152). Gaus-Hegner, E., Homberger, U. & Morawietz, A. (Hg.). 2014, Schulverlag plus.

Aus: Kunst und Bild. Bildnerisches Gestalten im Zyklus 2 und 3 (Kapitel "Erwischt! Nachts werden sie munter" plus Einlegekarte, S. 207 - 2015). Aebersold, U., Junger, S., Niederberger, C. & Bazzigher-Weder, M. (Hg.). 2022, hep Verlag AG.

Aus: Kunst und Bild. Bildnerisches Gestalten im Zyklus 2 und 3 (Kapitel "Erwischt! Nachts werden sie munter" plus Einlegekarte, S. 207 - 2015). Aebersold, U., Junger, S., Niederberger, C. & Bazzigher-Weder, M. (Hg.). 2022, hep Verlag AG.

Aus: Kunst und Bild. Bildnerisches Gestalten im Zyklus 2 und 3 (Kapitel "Wie bildnerische Prozesse und Produkte beurteilen?", S. S. 21-23). Aebersold, U., Junger, S., Niederberger, C. & Bazzigher-Weder, M. (Hg.). 2022, hep Verlag AG.
Links zu Unterrichtsmaterialien mit bestehenden Beurteilungsdokumenten
Orientierungsaufgaben

Aus: Design und Technik (LP21: Textiles und Technisches Gestalten).
Kompetenzorientiert Beurteilen im Textilen und Technischen Gestalten – Design und Technik
Erfolgreiches Lernen ist ein aktiv-konstruierender, auf eigenem Vorwissen aufbauender, selbstregulierter und sozialer Prozess.
(Reusser, 2016).
Im Textilen und Technischen Gestalten zeigt meistens ein Produkt den vermeintlichen Lernprozess. Am Produkt wird aber nicht das Lernen sichtbar, sondern nur ein physisches (Teil-) Ergebnis, das bestenfalls formal erfüllt sowie funktional und ästhetisch geglückt ist. Nicht sichtbar wird, ob die SuS sich forschend und intensiv auf die Aufgabenstellung eingelassen haben, welche Erkenntnisse sie dabei gewonnen und integriert haben oder wo sie ihre eigenen Lernstrategien erweitern konnten. Diese Ausgangslage gilt es, bei der Beurteilung von gestalterischen Prozessen besonders zu beachten.
Im Folgenden werden:
Zusammenzüge aus dem Lehrplan 21 zum Beurteilen der Kompetenzen, zu den spezifischen Schwerpunkten im Zyklus 1 und den didaktischen Hinweisen zum Beurteilen im TTG gezeigt.
TTG-spezifische Ausgangslagen aufgezeigt.
TTG-spezifische Fragestellungen für die eigene Beurteilungspraxis abgeleitet. Die Sensibilisierung und das Bewusstsein über die spezifischen Dilemmas soll die LP darin unterstützten, sowie gezielte Entscheidungen für einen zielführenden Beurteilungsprozess zu fällen. Letztlich soll die Beurteilung (formativ und summativ) dem SuS und der Lehrperson Hinweise für die nächsten Lernschritte sowie die angezeigten Fördermassnahmen entlang dem Förderkreislauf geben. Die Note oder das Fremdbeurteilungsformular (Zyklus1) selber sind Hilfsmittel für die Kommunikation über den aktuellen Lernstand gegenüber weiteren Beteiligten im Umfeld der SuS.
Beispiele von Beurteilungsinstrumenten aufgeführt. Ergänzt wird das Dossier mit fachspezifischer Literatur, Links und Dateien.
1. Was sagt der Lehrplan 21?
Überblick: Struktur der Fachbereichs- und der Modullehrpläne
Beurteilen von Kompetenzen
Nicht alle im Lehrplan 21 aufgeführten Kompetenzen und Kompetenzstufen müssen beurteilt werden. Wie bisher obliegt es der Professionalität der Lehrpersonen einzuschätzen, wann und mit welchen Mitteln sie Leistungen der Schülerinnen und Schüler einschätzen und beurteilen. Sie beachten dabei die im Kanton geltenden Regelungen.
Grundlagen: Schwerpunkte Zyklus 1
Entwicklungsorientierte Zugänge - Entwicklungsorientierung und fachliche Orientierung
Zu Beginn des 1. Zyklus wird der Unterricht überwiegend fächerübergreifend organisiert und gestaltet. Der Lehrplan 21 bietet deshalb neun entwicklungsorientierte Zugänge an, die als Lesehilfe dienen und den Lehrpersonen den Zugang zu den Fachbereichslehrplänen erleichtern. Diese entwicklungsorientierten Zugänge bauen eine Brücke von der Entwicklungsperspektive zur Fachbereichsstruktur des Lehrplans und erleichtern den Lehrerinnen und Lehrern die Planung des fächerübergreifenden Unterrichts.
Gestalten: Didaktische Hinweise Textiles und Technisches Gestalten
Prozesse und Produkte begutachten und beurteilen
Begutachten, Auswerten, Beurteilen Schülerinnen und Schüler vergleichen ihre Arbeitsschritte und Teillösungen bereits während des Gestaltungs- bzw. Designprozesses mit den Kriterien der Aufgabenstellung. Sie formulieren ihre Erfahrungen im Umgang mit den bearbeiteten Materialien, den angewendeten Verfahren, den Konstruktionen, den Gestaltungen und den Kontexten. Dadurch schärfen sie ihre Beobachtung und entwickeln eine genaue Ausdrucksweise. Die Reflexionen können in Lernjournalen festgehalten werden oder mit kriterienorientierten Begutachtungsrunden in der Lerngruppe erfolgen. Kriterien Orientierung Kriterien leiten Schülerinnen und Schülern dazu an, sich mit der Aufgaben- und Problemstellung vertieft auseinander zu setzen. In der Beurteilung bezieht sich die Lehrperson auf die formulierten Kriterien (z.B. zur Präsentation, zur Farbgestaltung, zur Konstruktion und Funktion oder zu ökologischen Zusammenhängen). Die Selbst- wie auch die Fremdbeurteilung erfolgen im Vergleich der Kriterien und der Ergebnisse des Gestaltungs- bzw. Designprozesses.
2. TTG-spezifische Ausgangslage bezüglich der kompetenzorientierten Beurteilung
Die Note soll eine repräsentative Abbildung aller Kompetenzbereiche des Faches sein. Die Basis dazu bildet die kriterienbasierte Beurteilung von Produkten, Lernkontrollen, Präsentationen und Handlungen aus dem Unterricht. Dieser komplexen Vorgabe nach nur einem halben Jahr mit zwei Wochenlektionen gerecht zu werden, ist anspruchsvoll, zumal die LP die SuS mehrheitlich aus keinen anderen Lerngefässen kennt.
Die Erwartungen aller Beteiligten an die Produkte sind noch immer hoch. Daraus entsteht Druck, der echtes Lernen beeinflusst oder gar behindert.
Hohe Materialkosten können eine Hemmschwelle für die Initiation von gehaltvollen Lernerfahrungen entlang der TTG-spezifischen entdeckenden Methoden wie Analysen, Experimente oder intuitiven Methoden bilden.
Im TTG erhalten die LP / SuS selten Unterstützung durch Heilpädagog_innen oder Klassenassistent_innen, obwohl die zu bewältigenden Aufgabenstellungen meist eine hohe Komplexität zeigen.
Auch wenn in der heutigen Zeit eine hohe Sensibilität gegenüber genderspezifischen Aspekten zu erkennen ist, halten sich im textilen und im technischen Unterricht stereotypische Rollenbilder sowie Haltungen bezüglich kreativen und handwerklichen Fertigkeiten hartnäckig.
3. Unterstützende TTG-spezifische Fragen zur Planung von Unterrichtsvorhaben
Wo liegen die Schwerpunkte? Was soll gelernt werden? Welche Gewichtung kommt unter meinen aktuellen Bedingungen (zeitlich, räumlich, infrastrukturell, materiell) zum Tragen? Welche Bedeutung hat der Lerninhalt für die SuS und ihr fachliches und überfachliches Lernen?
Welchen Lernstand und welche Voraussetzungen bringen meine Lernenden mit?
Auf welche Kompetenzen (pro Kompetenzbereich mindestens eine Kompetenz) soll der Fokus unter den gegebenen Bedingungen sinnstiftend gerichtet werden?
Welche operationalisierten Lernziele sind für den Lernprozess der einzelnen SuS/der ganzen Lerngruppe zielführend?
Welche daraus abgeleiteten Beobachtungs- und Beurteilungskriterien, basierend auf messbaren Indikatoren, führen zu welcher Rückmeldung im Beurteilungsbericht?
Ist die Beurteilungssituation auf Prozesse und Produkte ausgerichtet? Wird sie erweitert durch eine Lernkontrolle über Sach- und/oder Kontextwissen? Integriert sie die überfachlichen Kompetenzen? Ist der Beurteilungsmassstab (Lernzielnorm, individuelle Bezugsnorm, soziale Bezugsnorm) bewusst ausgewählt?
Wer beurteilt: Fremdbeurteilung (SuS, LP), Selbstbeurteilung (SuS)?
Wie kann der Lernprozess durch eine Selbst- und/oder Fremdbeurteilung optimal unterstützt werden?
Wozu wird beurteilt: Selektion, Standortbestimmung?
Welche Dokumentationsform (sprechende Wand, Präsentationsbox, Brief, analoges oder digitales Logbuch, Problemlöseprotokoll, Arbeitspass, Reflexion, Lernbericht, Lernheft, Sammlungen von Erprobungen, usw.) kann die Lernenden bei der aktuellen Aufgabenstellung optimal unterstützen? Wie können die Erkenntnisse und Ergebnisse förderorientiert für den Beurteilungsprozess genutzt werden?
Welche Kommunikationsgefässe sind nötig, damit Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Beurteilungsprozess optimal zur Klassenlehrperson fliessen?
Welche Fehlerkultur will ich etablieren? Gelingt mir die Trennung von Förderung und (summativer) Beurteilung?
Welche genderspezifische Fallen zeigen sich in meiner Beurteilungspraxis?
Rückmeldungen werden spontan und rasch formuliert und sind manchmal kaum reflektiert. Sie werden aber von den Kindern wahrgenommen. Bin ich mir meinen unreflektierten Überzeugungen und/oder Erwartungen bewusst? Überzeugungen von Lehrpersonen zu einzelnen Kindern und Jugendlichen sind sehr wirksam. Erwartungen zeigen sich in vielen verbalen und nonverbalen Rückmeldungen (Babad, 1982).
4. Links zu Unterrichtsmaterialien mit Beispielen von Beurteilungsinstrumenten
Auf Zebis sind über den Filter Beurteilen (Zyklus 2 und 3) diverse Beispiele zu finden.
Lehrmittel mit Hinweisen und Beispielen zum Beurteilen im TTG:
Fächernet LP21: Umsetzungshilfen zum Textilen und Technischen Gestalten
Orientierungsarbeiten TTG
Zyklus 2
Weitere Tipps ...
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